2022 bis 2026 – vier Jahre unterwegs

Eine vielfältige Reise durch Städte, Schulen, Rathäuser, Büchereien – und durch die deutsche Geschichte.
Als ich am 5. September 2022 bei Hugendubel in Würzburg mein Buch „Deckname Antenne – Als Journalist im Visier der Stasi“ vorstellte, dachte ich an einen besonderen Abend, vielleicht an einige weitere Lesungen und an interessante Gespräche über meine Geschichte. Ich dachte nicht an eine jahrelange Lesereise. Ich ahnte nicht, dass ich vier Jahre später noch immer mit Bildern, Filmausschnitten, historischen Rundfunkaufnahmen und meiner fast 400 Seiten umfassenden Stasi-Akte durch Deutschland fahren würde.
Aus einer Buchpremiere wurde ein Erinnerungsprojekt. Aus einzelnen Einladungen entstand eine Reise durch Bayern, Thüringen, Hessen, Baden-Württemberg und Berlin. Aus Zuhörern wurden Gesprächspartner, aus Veranstaltungsorten Begegnungsräume und aus vielen Terminen Geschichten, die ich bis heute nicht vergessen habe.
163 Lesungen waren es bis zum Sommer 2026. Mehr als 12.000 Menschen haben zugehört, darunter über 8.000 junge Menschen in Schulen. Das Buch erschien inzwischen in fünfter Auflage, die sechste ist vorbereitet. Und das Schönste: Die Reise geht weiter.
Hier ein bunter Bilderbogen durch vier Jahre:

2022 – Wie alles begann
Der Anfang war dort, wo das Buch gewissermaßen das Licht der Öffentlichkeit erblickte: am 5. September 2022 bei Hugendubel in Würzburg. Freunde, Wegbegleiter, Kolleginnen und Kollegen und viele interessierte Gäste waren gekommen. Zum ersten Mal erzählte ich öffentlich die ganze Geschichte: von meiner journalistischen Arbeit an der innerdeutschen Grenze, von den Berichten über die DDR, vom Mauerfall und von der überraschenden Entdeckung, dass mich die Staatssicherheit unter dem Decknamen „Antenne“ beobachtet hatte.
Bereits am 3. Oktober führte mich der Weg ins Theater am Neuner Platz in Würzburg. Einen besonders eindrucksvollen historischen Rahmen bot am 9. November das Dokumentationszentrum in der ehemaligen Hainbergkaserne in Mellrichstadt. Hier, unweit der früheren Grenze, war die Geschichte nicht abstrakt. Sie war in den Gebäuden, Dokumenten und Erinnerungen unmittelbar gegenwärtig.
Am 10. November folgte Zeil am Main, meine Heimatstadt. Im Rudolf-Winkler-Haus bekam die Lesung eine ganz persönliche Färbung. Danach ging es am 28. November ins Rathaus von Wipfeld, am 9. Dezember in den Weinkeller von Graf Karl zu Rüdenhausen, am 12. Dezember in die Bücherei Veitshöchheim und am 14. Dezember ins Rathaus nach Kitzingen.
Acht Stationen in gut drei Monaten – damals kam mir das bereits wie eine kleine Lesereise vor. Ich konnte nicht wissen, dass dies nur das Vorspiel war.



2023- aus einzelnen Lesungen wird eine große Reise
Das Jahr 2023 begann am 18. Januar auf der Kulturbühne „Alte Feuerwehr“ in Gerbrunn. Zwei Tage später stand ich erstmals vor Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Münnerstadt. Am 31. Januar folgte das Bayernkolleg in Schweinfurt. Schon damals zeigte sich, wie stark junge Menschen auf persönliche Geschichte reagieren, wenn sie nicht als trockenes Kapitel eines Schulbuchs erscheint, sondern von jemandem erzählt wird, der sie selbst erlebt hat.
Am 7. Februar war ich bei den Rotariern im Würzburger Hotel Rebstock zu Gast, am 8. Februar im Lindenkeller in Freising und am 9. Februar in der Stadtbücherei Ingolstadt. Ein besonders vergnügliches Stück DDR-Alltag zog am 11. und 12. Februar in die Ölmühle nach Abtswind ein. Dort gab es Soljanka, Broiler, Schwedenbecher und Rotkäppchensekt – dazu Geschichten über Stasi, Mauerfall und Wiedervereinigung. Geschichte ging an diesen Abenden nicht nur durch Kopf und Herz, sondern auch durch den Magen.
Es folgten die Stadtbibliothek Hammelburg am 23. Februar und die WeinKulturGaden in Thüngersheim am 26. Februar. Am 9. März überquerte die Lesereise erstmals die frühere innerdeutsche Grenze in Richtung Suhl. Die Lesung in der dortigen Stadtbücherei war für mich besonders bewegend, denn Suhl ist untrennbar mit meiner journalistischen Arbeit und der Städtepartnerschaft mit Würzburg verbunden.
Am 11. März ging es ins Bürgerspital nach Plattling, am 17. März in die Gemeindebücherei Gundelsheim bei Bamberg und am 23. März zum Bücherfrühling der Buchhandlung Lesezeichen nach Werneck. Am 27. März erreichte „Deckname Antenne“ das Ausbildungszentrum der Bundespolizei in Oerlenbach. Dass meine Erfahrungen auch für junge Polizeianwärterinnen und Polizeianwärter interessant waren, zeigte mir eine weitere Dimension des Projekts: Es ging nicht allein um Erinnerung, sondern immer stärker auch um Verantwortung in der Gegenwart.
Am 2. April gastierte ich im Theaterhaus Gerolzhofen, am 19. April im Würzburger Tagungshaus Himmelspforten und am 27. April in der Bücherei Dettelbach. Bei der Bereitschaftspolizei Würzburg folgten am 2. Mai gleich zwei Veranstaltungen, vormittags und nachmittags. Danach kam die Montessorischule Würzburg.
Am 11. Mai war ich in der Bücherei Hof zu Gast. Ein Höhepunkt des Jahres folgte am 26. Mai: Gemeinsam mit dem KAB-Bildungswerk ging es zu den Originalschauplätzen der deutschen Teilung – zur ehemaligen Grenzanlage Behrungen, zur Grenzinformationsstelle Rappershausen, zum Dokumentationszentrum in der früheren Bundeswehrkaserne Mellrichstadt und zum ehemaligen Grenzübergang Eußenhausen–Meiningen. Dort musste Geschichte kaum erklärt werden. Man stand auf dem Boden, auf dem sie geschehen war.
Am 14. Juni folgte die Regionalbibliothek Weiden, am 15. Juni das Pfarrheim in Unterdürrbach und am 28. Juni der Heimatverein in Milz im Landkreis Hildburghausen. Am 5. Juli war die Bücherei in Rottenbauer Gastgeberin. Am 18. Juli erzählte ich meine Geschichte erneut zweimal bei der Bereitschaftspolizei Würzburg.
Nach der Sommerpause ging es am 27. September im Würzburger Schönstattzentrum weiter. Am 2. Oktober war „Deckname Antenne“ Teil der „Nacht der Demokratie“ in der ehemaligen Synagoge Kitzingen – ein Ort und ein Anlass, die besonders deutlich machten, weshalb Freiheit, Menschenwürde und Demokratie niemals selbstverständlich sind.
Am 3. Oktober folgte eine öffentliche Veranstaltung am Gymnasium Lauda, am 4. Oktober eine Schullesung. Danach führte die Reise am 9. Oktober zum Montagsforum ins Martinushaus nach Miltenberg und am 10. Oktober zum Dienstagsgespräch ins Martinushaus Aschaffenburg. Am 19. Oktober wurde im Theater in der Gerbergasse in Karlstadt gelesen, am 4. November in der Bücherei Eibelstadt, am 7. November in Langenprozelten und am 10. November in der Volkacher Barockscheune.
Es folgten Frammersbach am 16. November und das Vinzentinum Würzburg am bundesweiten Vorlesetag, dem 17. November. Am 23. November wurde Ebern zu einer Doppelstation: vormittags das Gymnasium, abends das Heimatmuseum auf Einladung des Bürgervereins. Am 27. November war ich bei den Rotariern „Stein“ im Würzburger Bürgerspital zu Gast. Den Abschluss des Jahres bildete am 13. Dezember Güntersleben.
Spätestens jetzt war klar: „Deckname Antenne“ war längst mehr als ein Buch. Es war auf Reisen gegangen.

Zwei besondere Lesungen: In der Bayerischen Vertretung in Berlin und im BR-Funkhaus München

2024 – Von Würzburg bis Berlin
Das Jahr 2024 begann am 17. Januar im Würzburger Tagungshaus Himmelspforten bei einer Bundestagung der Seniorenvertretungen in den deutschen Diözesen. Nur einen Tag später kehrte ich an einen Ort zurück, der mehr als vier Jahrzehnte mein berufliches Zuhause gewesen war: das Funkhaus des Bayerischen Rundfunks am Münchner Rundfunkplatz. Am 19. Januar folgte der Murnauclub im Kolpinghotel Ohlstadt.
Am 25. Januar stand ich vor Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Tauberbischofsheim. Am 9. Februar folgten zwei Lesungen für fünf zehnte Klassen der Realschule Hirschaid. Gerade solche dicht aufeinanderfolgenden Schulveranstaltungen zeigten mir, wie unterschiedlich junge Menschen reagieren – und wie ähnlich zugleich ihre Fragen nach Freiheit, Anpassung, Mut und persönlicher Verantwortung sind.
Einen außergewöhnlichen Rahmen bot am 22. Februar die Vertretung des Freistaats Bayern beim Bund in Berlin. Mit meinem fränkischen Erinnerungsprojekt in der Hauptstadt zu stehen, nur wenige Kilometer von den ehemaligen Machtzentren der DDR und den Resten der Berliner Mauer entfernt, war ein besonderer Moment.
Am 28. April ging es zum Bürgerverein nach Aub im Grabfeld, am 7. Mai zum Rotary Club Uffenheim in die Pizzeria am Bahnhof und am 8. Mai im Rahmen der Unterfränkischen Kulturtage ins Feuerwehrhaus Oberthulba. Gastgeberin war dort die Katholische Bücherei.
Am 13. Mai folgte das Kulturkaufhaus KARL in Fulda. Vier Tage später, am 17. Mai, war ich auf Einladung des Historischen Vereins im Pfarrheim Heidenfeld zu Gast. Am 11. Juli wurde im Sportheim Ermershausen nicht nur gelesen, sondern zugleich das 975-jährige Bestehen des Ortes gefeiert.
Nach dem Sommer führte die Reise am 19. September in „Das famose Häuschen“ nach Karlstadt. Am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober, war ich live aus dem BR-Studio Franken auf Bayern 2 zu hören. Am 8. Oktober folgte das Hans-Sachs-Gymnasium Nürnberg.
Am 11. Oktober öffnete die Bücherei im Rottendorfer Wasserschloss im Rahmen des Kulturherbstes ihre Türen. Am 13. Oktober war die Aktionsscheune des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen Schauplatz der Lesung. Danach folgten der „EulenTreff“ in Fuchsstadt bei Hammelburg am 23. Oktober und die Bücherei Gaukönigshofen am 27. Oktober.
Am 3. November ging es in die Robert-Seemann-Halle nach Sömmersdorf, am 8. November in die Katholische Bücherei Kürnach und am 12. November in die Pfarrkirche St. Nikolaus in Sand am Main. Zum bundesweiten Vorlesetag am 15. November war ich erstmals an der Staatlichen Realschule Oberding bei München zu Gast. In diesem Jahr bin ich wieder aus gleichem Anlaß an dieser Schule.
Ein weiterer Höhepunkt folgte am 18. November im großen Ratssaal des Würzburger Rathauses. Gemeinsam mit den Oberbürgermeistern aus Suhl und Würzburg erinnerten wir an 35 Jahre Mauerfall. An diesem Abend verbanden sich meine persönliche Geschichte, die Städtepartnerschaft und die große deutsche Geschichte auf besondere Weise.
Das Jahr klang mit dem Bücherpavillon Bad Bocklet am 20. November und einer Lesung im Rathaus Retzbach am 22. November aus.



2025 – Schulen, Kirchen, Kulturhäuser und neue Regionen
Start am 15. Januar erneut im Bayernkolleg Schweinfurt. Am 21. Januar folgte ein Frühstück der KAB in Ebelsbach. Am 29. Januar konnte ich beinahe vor der eigenen Haustür lesen: in der Stadtteilbücherei am Würzburger Hubland. Am 10. Februar war das Café Domain im Kilianeum Gastgeber einer Veranstaltung des KAB-Diözesanverbandes.
Am 12. Februar ging es zur Volkshochschule Gunzenhausen. Es folgten zwei Lesungen am Würzburger Riemenschneider-Gymnasium – vor einer zehnten und einer fünften Klasse. Beim Landfrauentag in Dittelbrunn begegnete mir wieder ein ganz anderes Publikum. Am 9. März war ich im Hotel und Weingut Zehntkeller in Iphofen zu Gast. Auch die Herbstvollversammlung des Diözesanrats auf dem Volkersberg wurde zu einer Station.
An der Realschule Hirschaid folgten erneut zwei Lesungen. Danach standen das Friedrich-Rückert-Gymnasium Ebern und das Gymnasium Herzogenaurach im Kalender. Am 23. März war die Kulturbühne Alte Kirche in Schonungen Schauplatz, am 1. April der Rathaussaal Herzogenaurach bei einer Veranstaltung der Volkshochschule.
Weiter ging es am 8. April nach Binsbach, danach an die Mittelschule Würzburg-Heuchelhof und am 29. April zur Volkshochschule Dillingen. Selbst die Katholische Universität Eichstätt lud mich zu einem Gastvortrag ein. Dass „Deckname Antenne“ nun auch an einer Universität Thema wurde, empfand ich als besondere Anerkennung.
Am 24. Mai standen die Münsterschwarzacher Büchertage auf dem Programm. Es folgten die Montessorischule Aschaffenburg, eine Veranstaltung der Freien Wahlgemeinschaft Gerbrunn am 3. Juni und zwei Lesungen für die Realschule Forchheim in einer evangelischen Kirche.
Am 26. Juni führte die Reise in die Bücherei Grattersdorf im Landkreis Deggendorf, am 27. Juni in die Realschule Plattling und am 28. Juni zum Bibliothekstag des Bistums Eichstätt im Kloster Plankstetten. Am 1. Juli wurde im Gasthof Eisfelder in Pfarrweisach gelesen. Danach folgten die Franz-Oberthür-Berufsschule Würzburg, am 14. Juli die Realschule Kaufering und am 17. Juli Kleinsteinach.
Nach der Sommerpause ging es am 1. Oktober nach Amorbach. Der 13. Oktober brachte gleich zwei Münchner Stationen: die Fachoberschule und den Bayerischen Rundfunk in Freimann. Am 15. Oktober folgte Gunzenhausen-Wald, anschließend der Rotary Club „Residenz“ im Würzburger Bürgerspital.
Am 21. Oktober ging es zunächst in die Curie-Schule nach Hildburghausen und am Abend ins Schloss Eisfeld. Dort waren die Volkshochschule und der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Gastgeber. Am 23. Oktober öffnete die Kulturscheune Höchberg ihre Türen.
Es folgten der Frauenbund Oberwerrn am 28. Oktober, eine Veranstaltung der SPD in Hünfeld am 29. Oktober und der Historische Verein in Stadtlauringen-Fuchsstadt am 9. November. Am 13. November war das Atelier von Thomas Reuter in Winterhausen ein besonders persönlicher Veranstaltungsort. Am 15. November ging es auf Einladung der SPD nach Sulzbach am Main.
Am 18. November folgte der Würzburger Kreisverband der Grünen auf dem MOZ-Areal, am 20. November die Volkshochschule Oberasbach und am 21. November erneut das Vinzentinum Würzburg zum bundesweiten Vorlesetag.
Am 25. und 26. November führte die Lesereise im Rahmen der „Wochen zur Demokratie“ nach Passau: zunächst ans Adalbert-Stifter-Gymnasium, danach zu einer öffentlichen Veranstaltung. Das Jahr endete dort, wo ein bedeutender Teil meiner Geschichte spielt: am 16. Dezember in Suhl und am 17. Dezember im Sportgymnasium Oberhof.



2026 – Das Erinnerungsprojekt wächst weiter
Das vierte volle Kalenderjahr begann am 15. Januar beim SPD-Ortsverein Langenzenn. Am 23. Januar folgte Helmstadt im Landkreis Würzburg und am 27. Januar die Würzburger Pfarrei „Unsere Liebe Frau“.
Am 5. Februar war ich an einem Gymnasium in München zu Gast, am 12. Februar in der Buchhandlung erLesen in Würzburg-Grombühl. Danach führte der Weg zum Landfrauentag nach Königsberg und an das Gymnasium der Ursulinen in Würzburg.
Am 3. März kehrte ich an das Friedrich-Rückert-Gymnasium Ebern zurück. Danach folgte eine kleine unterfränkische Rundreise mit dem Frauenbund: am 11. März Unterfranken Ost in Zeil am Main, am 17. März Unterfranken West in Aschaffenburg und am 19. März Unterfranken Nord in Bad Neustadt. Am 22. März war die Kulturkantine Ebern Gastgeberin. Am 26. März führte „Deckname Antenne“ nach Meiningen – wieder in jene Region, in der Grenze, Teilung und Wiedervereinigung bis heute besonders greifbar sind.
Am 15. April war ich bei der CSU Nord in St. Anton in Schweinfurt zu Gast, am 16. April beim Frauenbund Süd in Ochsenfurt. Danach folgte eine Reise durch die Oberpfalz und das Allgäu: am 21. April die Gemeindebücherei Kinding, am 25. April die Gemeindebücherei Kastl, anschließend die Mittelschule Türkheim.
Am 28. April wurde in der Gemeindebücherei Türkheim gelesen. Es folgten die Mittelschule Buchloe, am 29. April die Volkshochschule Buchloe und anschließend die Realschule Buchloe. Am 1. Mai war die Volkshochschule Kaufbeuren Gastgeberin.
Weiter ging es am 8. Mai nach Ramsthal im Landkreis Bad Kissingen und am 10. Mai in die thüringische Gemeinde Rhönblick. Am 21. Mai folgte die Gemeindebücherei Höchstädt, am 22. Mai das Museum in der Kühnertsgasse der Nürnberger Altstadtfreunde.
Am 9. Juni lud der Historische Verein Marktredwitz ein. Am 17. Juni, dem Jahrestag des Volksaufstands in der DDR, stand ich im Friedrich-König-Gymnasium Suhl vor jungen Menschen. Historischer Tag, historischer Ort und ein junges Publikum: Genau dafür war dieses Erinnerungsprojekt inzwischen da.
Am 16. Juli folgte beim Evangelischen Bildungswerk Ansbach die 163. Lesung. Eine Zahl, die ich mir vier Jahre zuvor nicht einmal im Traum hätte vorstellen können.

Doch damit ist die Reise nicht beendet. Nach der Sommerpause geht es am 14. September beim Seniorenkreis der Pfarrei St. Adalbero in Würzburg weiter. Am 16. September folgt die Gemeindebücherei Grafenrheinfeld, am 14. Oktober Herrieden, am 21. Oktober das Matthias-Ehrenfried-Haus Würzburg und am 22. Oktober das Evangelische Gemeindehaus Thüngen.
Am 8. November steht die Pfarrei St. Augustin in Ingolstadt im Kalender. Zum Deutschen Vorlesetag am 20. November kehre ich an die Realschule Oberding zurück. Am 25. November folgen gleich zwei Stationen in Baden-Württemberg: zunächst die Realschule Villingen-Schwenningen und anschließend die Volkshochschule Bräunlingen im Schwarzwald. Am 26. November geht es an die Realschule Donaueschingen.
Am 29. November führt die Reise nach Litzlohe und Pilsach bei Neumarkt. Den Abschluss des Jahres bildet am 15. Dezember Hammelburg.

Jeder Punkt auf der Landkarte erzählt eine eigene Geschichte
Wenn ich diese Chronologie lese, sehe ich keine bloße Liste von Daten und Orten. Ich sehe Gesichter. Ich höre Fragen. Ich erinnere mich an volle Säle und kleine Gesprächsrunden, an konzentrierte Schulklassen, an Kirchen, Rathäuser, Theater, Gasthäuser, Bibliotheken, Museen, Polizeischulen und historische Originalschauplätze.
Ich erinnere mich an junge Menschen, die nach einer Lesung noch blieben, weil sie etwas genauer wissen wollten. An ältere Gäste, die plötzlich ihre eigenen Erinnerungen an die deutsche Teilung erzählten. An Menschen aus Ost und West, die berichteten, wie unterschiedlich sie dieselben Jahre erlebt hatten. Manche Gespräche waren heiter, andere nachdenklich, einige bewegend und manche schmerzhaft.
Keine Lesung war wie die andere. In einem Weinkeller entstand eine völlig andere Atmosphäre als in einem Gymnasium. Eine Polizeischule stellte andere Fragen als ein Seniorenkreis. In Suhl, Meiningen, Hildburghausen, Eisfeld oder Rhönblick war die Erinnerung an die DDR anders gegenwärtig als in Würzburg, München, Berlin oder im Allgäu. Gerade diese Unterschiede machten die Reise so wertvoll.
„Deckname Antenne“ erzählt von der Vergangenheit, aber es geht längst nicht mehr nur um dankbare Rückschau. Es geht um Freiheit und Demokratie, um journalistische Unabhängigkeit, um den Wert offener Grenzen und um die Frage, wie schnell eine Gesellschaft ihre Freiheit verlieren kann. Es geht auch darum, dass Demokratie Menschen braucht, die widersprechen, Haltung zeigen und sich einmischen.
Besonders wichtig sind mir deshalb die Begegnungen mit jungen Menschen. Mehr als 8.000 Schülerinnen und Schüler haben inzwischen an meinen Veranstaltungen teilgenommen. Sie kennen die DDR, die Mauer und den Kalten Krieg nur aus Erzählungen, Büchern oder Filmen. Für sie liegt diese Zeit scheinbar weit zurück. Doch ihre Fragen zeigen, wie aktuell die Themen geblieben sind: Wie erkennt man eine Diktatur? Warum passen sich Menschen an? Weshalb schweigen so viele? Was bedeutet persönliche Freiheit? Und was kann jeder Einzelne tun, damit eine Demokratie bestehen bleibt?

Bei der Buchpremiere überreichte Bernd Höland eine der letzten DDR-Fahnen vom Grenzübergang Eußenhausen- Meiningen- Sie
ist als historisches Relikt seit vier Jahren mit auf Reise



Aus einem Buch wurde eine Aufgabe
All das war nicht geplant. Es ist gewachsen – von Lesung zu Lesung, von Einladung zu Einladung und von Begegnung zu Begegnung. Vielleicht ist genau das das Besondere an dieser Reise. Sie entstand nicht am Schreibtisch als großes Konzept. Sie entwickelte sich, weil Menschen zuhörten, weiterfragten, mich erneut einluden und anderen von den Veranstaltungen erzählten.
So wurden aus einer Buchpremiere 163 Lesungen. Aus einem persönlichen Rückblick wurde ein multimediales Erinnerungsprojekt. Aus einer fränkischen Geschichte wurde eine Reise durch mehrere Bundesländer. Und aus meinem Ruhestand wurde noch einmal eine Aufgabe, die mich fordert, erfüllt und glücklich macht.
Am 5. September 2022 begann alles bei Hugendubel in Würzburg. Vier Jahre später bin ich noch immer unterwegs. Mehr als 12.000 Menschen haben bisher zugehört. Das Buch liegt in fünfter Auflage vor, die sechste ist vorbereitet. Weitere Lesungen stehen im Kalender, und auch 2027 soll die Reise fortgesetzt werden.
Wenn ich heute auf diese vier Jahre zurückblicke, empfinde ich vor allem Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber allen Büchereien, Schulen, Volkshochschulen, Vereinen, Kirchengemeinden, Parteien, Bildungseinrichtungen, Museen und privaten Initiativen, die mich eingeladen haben. Dankbarkeit gegenüber allen, die organisiert, Stühle gestellt, Technik aufgebaut, Werbung gemacht, Bücher verkauft und mich freundlich empfangen haben. Und Dankbarkeit gegenüber den vielen Menschen, die zugehört, gefragt, widersprochen, ergänzt und ihre eigenen Geschichten erzählt haben.
Jede einzelne Station war besonders. Jede hat „Deckname Antenne“ ein Stück weitergetragen. Und jede hat mir gezeigt, dass Erinnerungsarbeit dann lebendig wird, wenn sie Menschen miteinander ins Gespräch bringt.

Ein ganz besonderer Dank!
In diese Bilanz gehört am Ende ein Mensch, ohne den „Deckname Antenne“ in dieser Form wahrscheinlich nicht entstanden wäre: meine Journalistenkollegin Sarah Beham.
Sarah war von Anfang an viel mehr als nur eine interessierte Begleiterin. Sie war Impulsgeberin, kritische Leserin, Ermutigerin und manchmal auch hartnäckige Antreiberin. Sie hat früh erkannt, dass in meiner Geschichte mehr steckt als eine persönliche Erinnerung. Sie hat mir geholfen, den roten Faden zu finden, Zusammenhänge klarer herauszuarbeiten und aus vielen einzelnen Erlebnissen eine Geschichte zu formen, die auch Menschen erreicht, die diese Zeit nicht selbst erlebt haben.
Sie las Gliederungen und Texte, stellte Fragen, machte Vorschläge. Gerade ihr Blick aus einer jüngeren Journalistengeneration war für mich von unschätzbarem Wert. Sie zeigte mir, welche Fragen junge Menschen heute an die deutsche Teilung, an die Stasi, an den Journalismus und an die Freiheit stellen.
Bei der Buchpremiere am 5. September 2022 war sie dabei. Damals wusste keiner von uns, dass aus diesem Abend eine vierjährige Lesereise mit mehr als 12.000 Zuhörerinnen und Zuhörern entstehen würde. Aber Sarah gehörte schon damals zu den Menschen, die an dieses Projekt glaubten, bevor überhaupt zu erkennen war, wie groß es einmal werden könnte.
Auch später blieb sie mit „Deckname Antenne“ verbunden. Unsere gemeinsame Reise zu den früheren Grenzanlagen, nach Behrungen, zum ehemaligen Grenzübergang Eußenhausen–Meiningen, nach Hermannsfeld und zum Dreiländereck führte uns noch einmal ganz nah an die Schauplätze meiner Geschichte. Dort wurde sichtbar, was uns trotz des Altersunterschieds und unserer unterschiedlichen Lebenswege verbindet: die Überzeugung, dass Freiheit und Demokratie nicht nur schöne Worte sind, sondern jeden Tag verteidigt, erklärt und mit Leben gefüllt werden müssen.

Emotionale Grenzlandfahrt mit Sarah Beham zwischen Unterfranken und Thüringen

Sarah steht für die Generation, an die ich den journalistischen Staffelstab weitergeben möchte. Sie arbeitet dort weiter, wo meine aktive berufliche Zeit geendet hat – mit Neugier, Hartnäckigkeit, journalistischer Leidenschaft und einem klaren Blick auf die Menschen. Dass aus unserer beruflichen Begegnung Freundschaft und ein gemeinsames Eintreten für Freiheit und Demokratie entstanden sind, gehört für mich zu den größten Geschenken dieser ganzen Geschichte.

Ich sage nach vier Jahren „Deckname Antenne“ ganz persönlich:
Was habe ich für ein Glück mit diesem Erinnerungsprojekt – und mit den Menschen, die es von Anfang an begleitet haben.
Die Reise geht weiter.