Der Wiedervereinigungs-Bierkrug

Das war eine unerwartete Begegnung bei der Lesung im thüringischen Meiningen. Ein Gast streckte mir nach der Veranstaltung diesen Bierkrug entgegen. Er ist über 36 Jahre alt. Seine Aufschrift: „Deutschland einig Vaterland. Bayern 1990 Thüringen. 3. Oktober. Eußenhausen – Henneberg.“
Diesen Krug gab es in der Nacht der deutschen Wiedervereinigung im aufgebauten Festzelt am ehemaligen Grenzübergang „Eußenhausen- Meiningen.“ Tausende feierten um Mitternacht ein großes Fest. Es gab Freibier in diesen Krügen. Ich als Reporter mittendrin, live um Mitternacht. Die Stunde der Deutschen Einheit mit dem Deutschlandlied, viele mit Tränen in den Augen, auch ich. Die Reportage hatten wir in Meiningen erst Minuten vorher gehört. Auch jetzt gibt es da hier und dort feuchte Augen und Gänsehaut.
Es war überhaupt ein ungewöhnlicher Abend in der überfüllten städtischen Galerie in Meiningen. Die Lesung inmitten von Kunst- es waren bronzene Tierplastiken.


Und wenn ich in Thüringen lese, dann hören die Menschen immer auf eine ganz besonders aufmerksame Weise zu. Für mich ist das immer eine Herausforderung als „Mensch aus dem Westen“. Denn hier sitzen viele Expertinnen und Experten. Sie haben alle in der DDR gelebt. Und ich habe ja nur die Sicht von außen.  Aber bei den Rückmeldungen bin ich stets erleichtert. Ich treffe offensichtlich den richtigen Ton. Ich trete nicht als „Besserwessi“ auf und sage schon am Anfang, dass ich mich nicht als Stasiopfer fühle. Denn Nachteile hatte ich durch die Stasispitzeleien nicht. Im Gegensatz zu vielen Menschen zu DDR-Zeiten.


Die Lesung in Meiningen war auch die fünfte Lesung zusammen mit dem Thüringer Landesbeaufragten zur Aufarbeitung der SED- Diktatur, vertreten durch Anke Geier, die alle Termine wunderbar vorbereitet hatte und mich begleitete. Öffentliche Lesungen in Eisfeld, Suhl und Meiningen und zwei Schullesungen in Hildburghausen und Oberhof. Vielen Dank, Fortsetzung kann sehr gerne erfolgen.
Eine weitere Lesung in Thüringen erfolgt am  Sonntag, 10. Mai um 16 Uhr in der Gemeinde Rhönblick. Bürgermeister Christoph Friedrich lädt ein ins Bootshaus Seba. Veranstalter ist der Verein „Rhönblick in Europa e.V.“ Was für ein wunderbarer Vereinsname, ganz in meinem Sinne. Der Eintritt ist frei.