Als ich im September 2022 „Deckname Antenne“ vorstellte, hätte ich nicht gedacht, dass daraus eine Lesereise werden würde, für die inzwischen Termine bis ins Jahr 2027 vereinbart sind. Ich hoffte, mit meiner Geschichte Interesse zu finden. Dass mich so viele Menschen einladen, mir zuhören und mit mir ins Gespräch kommen würden, überrascht und freut mich bis heute.
Wenn ich die Chronologie (siehe am Ende des Artikels) durchgehe, sehe ich hinter den Ortsnamen vor allem Begegnungen. Ich erinnere mich an Fragen, an aufmerksame Gesichter und an Gespräche nach einer Veranstaltung. An Menschen, die eigene Erfahrungen mit mir geteilt haben. Jede Station hat auf ihre Weise etwas hinterlassen – auch bei mir.
Erinnerungen weitergeben
Mit dem Buch habe ich einen Teil meiner eigenen Vergangenheit aufgearbeitet. Durch die Lesungen ist daraus eine Aufgabe geworden, die mir viel bedeutet.
Ich erzähle, was ich als Journalist erlebt habe und was ich später aus meiner Stasi-Akte über die Beobachtung meiner Arbeit erfahren habe. Dabei ist mir bewusst: Meine Geschichte ist eine von vielen. Andere Menschen haben unter der SED-Diktatur ungleich schwerer gelitten. Meine Erfahrungen können aber vielleicht helfen, einen Zugang zu dieser Zeit zu finden und Fragen zu stellen.
Als Journalist habe ich gelernt, zuzuhören, nachzufragen und Zusammenhänge verständlich zu machen. Davon kann ich heute noch Gebrauch machen. Dafür bin ich dankbar. Die unterschiedlichen Veranstaltungsorte bereichern diese Reise: Büchereien und Rathäuser, Kirchen und Kulturhäuser, Schulen und Vereine. Überall begegne ich Menschen mit anderen Erfahrungen und Erwartungen. Ich lerne dabei selbst immer wieder etwas dazu.
Besonders wichtig sind mir die Schulen
Die Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern liegen mir besonders am Herzen. Für sie ist die deutsche Teilung Geschichte. Vieles von dem, was für meine Generation zum Alltag gehörte, ist für sie heute nur schwer vorstellbar.
Umso mehr freut mich das aufmerksame Zuhören – an Mittelschulen und Realschulen ebenso wie an Gymnasien und Berufsschulen. Ich erlebe junge Menschen, die sich auf diese Geschichte einlassen, Fragen stellen und eigene Gedanken entwickeln. Das ermutigt mich, weiterhin in Schulen zu gehen. Ich empfinde die dort investierte Zeit als wertvoll.
Ich möchte ihnen etwas von einer Zeit vermitteln, die noch gar nicht so lange zurückliegt. Und ich möchte mit ihnen darüber sprechen, weshalb sie uns heute noch angeht. Freiheit, Demokratie und unsere Grundrechte brauchen Menschen, die ihren Wert erkennen und für sie eintreten.
Deshalb steht am Ende meiner Lesungen der Appell: „Es kommt auch auf euch an! Ihr müsst Freiheit und Demokratie bewahren!“
Dabei sollen die jungen Menschen Raum für ihre eigenen Gedanken behalten – für Fragen, Zweifel und auch Widerspruch. Ich hoffe, dass etwas von unserer Begegnung bleibt. Vielleicht eine Frage, ein Gedanke oder der Wunsch, sich näher mit unserer Geschichte zu beschäftigen.
Der Einsatz lohnt sich durch die Begegnungen
Natürlich gehören zu dieser Reise auch Vorbereitung, Absprachen, Fahrten, Aufbau und gelegentliche technische Schwierigkeiten. Mehrere Lesungen an einem Tag verlangen Konzentration und Kraft. Die drei Veranstaltungen in Gaibach und Gerolzhofen zwischen acht und dreizehn Uhr haben mir das erst wieder gezeigt.
Auch nach vielen Lesungen möchte ich jeder Gruppe mit derselben Aufmerksamkeit begegnen. Für die Menschen vor mir ist es schließlich meist die erste Begegnung mit meiner Geschichte.
Wenn ich merke, dass jemand zugehört hat, wenn eine unerwartete Frage kommt oder mich später eine persönliche Rückmeldung erreicht, weiß ich wieder, weshalb ich das gerne mache. Auch der ehrliche Applaus freut mich. Besonders berühren mich aber die Worte, die Menschen anschließend an mich richten – manchmal persönlich, manchmal erst Tage später in einer Nachricht.
Ich kann nicht wissen, wie nachhaltig eine Lesung wirkt. Nicht alles lässt sich an Rückmeldungen oder Teilnehmerzahlen ablesen. Aber ich darf hoffen, dass solche Begegnungen etwas anstoßen.
Dank für die Unterstützung
Dass diese Reise möglich ist, verdanke ich vielen Menschen. Lehrkräfte, Büchereiteams, Veranstalterinnen und Veranstalter investieren Zeit und Mühe, bereiten Veranstaltungen vor und schaffen den Rahmen für gute Gespräche. Ihnen gilt mein herzlicher Dank.
Ebenso dankbar bin ich meiner Familie, meinen Freundinnen und Freunden und allen, die mich kontinuierlich begleiten. Sie nehmen Anteil, fragen nach, hören zu und ermutigen mich.
Diese Unterstützung bedeutet mir viel. Ein lieber Gruß vor einer Veranstaltung, die Frage hinterher, wie es gewesen ist, ein ehrliches Wort zu meinen Texten oder einfach das Gefühl, dass jemand an mich denkt: Das motiviert mich und gibt mir Kraft. Gerade dann, wenn die Fahrten lang sind, mehrere Termine zusammenkommen oder ich mich frage, wie viel ich mir noch vornehmen möchte.
Manche Menschen begleiten dieses Projekt schon seit seinen ersten Anfängen. Sie haben mich bestärkt, meine Erinnerungen aufzuschreiben, und nehmen bis heute daran Anteil. Dass sie sich mit mir freuen und mir zugleich offen sagen, wenn ich etwas ruhiger angehen sollte, ist mir besonders wertvoll.
Für diese verlässliche, oft ganz stille Begleitung bin ich von Herzen dankbar. Sie trägt dazu bei, dass ich mit Zuversicht zur nächsten Lesung fahre und mich auf die Menschen freue, denen ich dort begegnen werde.
Eine Aufgabe, die auch mir viel gibt
Die Lesereise hat meinen Ruhestand auf eine Weise bereichert, die ich nicht vorausgesehen habe. Ich darf weiter erzählen, Menschen kennenlernen und mich mit ihren Sichtweisen auseinandersetzen. Ich werde eingeladen, und meine Erfahrungen finden Interesse. Das empfinde ich als großes Glück.
Die Zahl der Lesungen lässt erkennen, wie viel inzwischen zusammengekommen ist. Wichtiger sind mir die einzelnen Begegnungen. Ich möchte mir die Freude daran bewahren und meine Kräfte so einteilen, dass ich den Menschen weiterhin aufmerksam und offen begegnen kann.
Ich hoffe, dass ich mit „Deckname Antenne“ einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, Erinnerungen wachzuhalten und den Wert unserer Freiheit bewusst zu machen. Solange Interesse besteht und ich die Kraft dazu habe, möchte ich diese Gespräche gerne weiterführen.
170 Lesungen bis Ende Oktober – und hinter jeder Zahl stehen Menschen. Bis Ende des Jahres werden es dreizehn weitere sein und dann habe ich in den gut vier Jahren ca 15 000 Menschen erreicht, darunter 10 000 an Schulen. Am Hans- Sachs- Gymansium in Nürnberg waren es vor zwei Jahren bei einer Veranstaltung 300 junge Leute in der großen Turnhalle. Und es wird 2027 weitergehen. 200 Lesungen sind ein realistischer nächster Meilenstein. Ich bin sehr dankbar für alle Resonanz und ich bin weiter sehr motiviert.
Hier eine Auswertung quer durch die vier bisherigen Jahre.
Was am 5. September 2022 mit einer Buchvorstellung in Würzburg begann, ist zu einer mehrjährigen Reise durch fünf Bundesländer geworden. „Deckname Antenne“ führt mich in Städte und Dörfer, in Büchereien, Schulen und an die Schauplätze meiner eigenen Geschichte. Eine Zwischenbilanz voller Dankbarkeit – und mit einem klaren Auftrag für die Zukunft.
Manchmal muss ich selbst innehalten, um zu begreifen, was aus diesem Buch entstanden ist. Als ich „Deckname Antenne – Als Journalist im Visier der Stasi“ schrieb, wollte ich meine Geschichte erzählen. Ich wollte nachvollziehbar machen, wie ich als westdeutscher Journalist in das Blickfeld der DDR-Staatssicherheit geraten war. Und ich wollte meine persönlichen Erfahrungen mit der deutschen Teilung, dem Grenzregime und den bewegenden Ereignissen des Jahres 1989 bewahren.
Acht Veranstaltungen am Anfang – und dann nahm die Reise Fahrt auf
Im Jahr 2022 begann alles mit acht Lesungen. Die erste Station war die Buchvorstellung bei Hugendubel in Würzburg. Es folgten das Theater am Neunerplatz, das Dokumentationszentrum in der ehemaligen Hainbergkaserne in Mellrichstadt, Zeil am Main, Wipfeld, Rüdenhausen, Veitshöchheim und Kitzingen.
Schon diese ersten Stationen zeigten, wie unterschiedlich die Räume sein würden, in denen meine Geschichte ein Publikum findet: Buchhandlung und Theater, Rathaus und Bücherei, Weinkeller und historischer Erinnerungsort.
2023 nahm die Reise deutlich Fahrt auf. Für dieses Jahr sind 45 Lesungen dokumentiert. Neben zahlreichen unterfränkischen Orten kamen unter anderem Freising, Ingolstadt, Plattling, Hof und Weiden hinzu. In Suhl und Milz führte mich die Reise nach Thüringen, in Lauda nach Baden-Württemberg.
Es gab öffentliche Abende, Schulveranstaltungen und Begegnungen mit Menschen in der Polizeiausbildung. Manchmal standen gleich zwei Lesungen an einem Tag auf dem Programm. Aus einzelnen Einladungen entwickelte sich ein dichtes Netz von Kontakten.
Für 2024 verzeichnet die Chronologie 27 Veranstaltungen. Zu den Stationen gehörten das Funkhaus des Bayerischen Rundfunks in München, die Bayerische Vertretung in Berlin und Fulda. Auch die Schulen wurden zu einem immer wichtigeren Teil der Reise, etwa mit Veranstaltungen in Tauberbischofsheim, Hirschaid, Nürnberg und Oberding.
2025 war mit 52 dokumentierten Lesungen das bislang veranstaltungsreichste vollständige Jahr der Liste. Die Reise führte mich unter anderem nach Herzogenaurach, Dillingen, Eichstätt, Plattling, Kaufering, Passau und erneut nach Thüringen. Dort standen Hildburghausen, Eisfeld, Suhl und Oberhof auf dem Programm.
Für 2026 sind bis zum jetzigen Zeitpunkt 35 Veranstaltungen in der Chronologie aufgeführt, weitere dreizehn sind für November und Dezember angekündigt. Auch für 2027 stehen bereits erste Termine fest.
Fünf Bundesländer – mit einem starken Schwerpunkt in Bayern
Der größte Teil der dokumentierten Lesungen fand in Bayern statt: 152 Veranstaltungen bis zum 23. Oktober 2026. Dazu kommen neun in Thüringen, drei in Baden-Württemberg, zwei in Hessen und eine in Berlin.
Diese Verteilung erzählt auch etwas über das Buch. In Bayern begegnet mein Publikum häufig einem Journalisten, dessen Stimme und Arbeit manche Menschen über viele Jahre begleitet haben. In Thüringen kehre ich in eine Landschaft zurück, die eng mit meiner Geschichte verbunden ist.
Gerade die Begegnungen auf beiden Seiten der früheren Grenze sind mir wichtig. Die Erfahrungen der Menschen waren unterschiedlich. Bei den Lesungen können sie miteinander ins Gespräch kommen. Persönliche Erinnerungen ergänzen das, was ich erzähle, und eröffnen andere Perspektiven auf dieselbe Zeit.
Alle sieben bayerischen Regierungsbezirke erreicht
Inzwischen hat die Lesereise alle sieben bayerischen Regierungsbezirke berührt.
Unterfranken bildet mit 103 bisher dokumentierten Veranstaltungen den deutlichen Schwerpunkt. Es folgen Mittelfranken mit 13, Oberbayern mit elf, Oberfranken mit neun, Schwaben mit sieben, Niederbayern mit fünf und die Oberpfalz mit drei Lesungen.
Hinter diesen Zahlen stehen sehr unterschiedliche Gastgeber: kommunale und kirchliche Büchereien, Volkshochschulen, historische Vereine, Kirchengemeinden, Bildungswerke, Schulen, gesellschaftliche Gruppen und persönliche Initiativen.
Sie alle haben dazu beigetragen, dass die Geschichte weitergetragen wird. Eine Einladung bedeutet schließlich immer auch Arbeit: einen Raum organisieren, Öffentlichkeit herstellen, Technik vorbereiten und Menschen zusammenbringen.
Ich weiß diesen Einsatz zu schätzen. Ohne ihn gäbe es diese Lesereise in ihrem heutigen Umfang nicht.
Unterfranken: Heimat, Ausgangspunkt und verlässlicher Rückhalt
In Unterfranken ist die Reise besonders engmaschig geworden. Die Chronologie führt mich durch acht der neun Landkreise und in alle drei kreisfreien Städte.
Bei der bisherigen geografischen Zuordnung entfallen allein 30 Veranstaltungen auf die Stadt Würzburg und 14 auf den Landkreis Würzburg.
Im Landkreis Haßberge sind 13 Lesungen dokumentiert, im Landkreis Schweinfurt zehn und im Landkreis Kitzingen neun. Acht Veranstaltungen führten mich in den Landkreis Bad Kissingen, sieben nach Main-Spessart, vier in den Landkreis Rhön-Grabfeld und drei in den Landkreis Miltenberg. In den kreisfreien Städten Aschaffenburg und Schweinfurt sind jeweils drei Lesungen aufgeführt.
Gerade diese regionale Breite berührt mich. Meine Geschichte findet ihren Platz im großen Veranstaltungssaal ebenso wie in einer kleinen Gemeindebücherei. Ein Abend in einem Dorf kann genauso lange nachwirken wie eine Veranstaltung in einer größeren Stadt.
Beim Blick auf die Ortsnamen erinnere ich mich an Räume, Gesichter und Gespräche. So wird aus einer statistischen Übersicht für mich eine sehr persönliche Landkarte.
Schulen: Wo aus Erinnerung eine Aufgabe für die Zukunft wird
Besonders viel bedeuten mir die Schulbesuche. In der veröffentlichten Chronologie lassen sich bisher 37 Schullesungen an 28 unterschiedlichen Schulen beziehungsweise Einrichtungen erkennen.Den größten Anteil haben die Gymnasien: 15 dokumentierte Schullesungen an zwölf verschiedenen Schulen. Es folgen die Realschulen mit zehn Lesungen an sechs Schulen und die Mittelschulen mit drei Veranstaltungen an drei Schulen.
Hinzu kommen zwei Montessori-Schulen, das Bayernkolleg Schweinfurt mit zwei Besuchen, das Würzburger Vinzentinum mit ebenfalls zwei Veranstaltungen sowie jeweils eine Berufsschule, eine Fachoberschule und eine Thüringer Regelschule.
Diese Zahlen werden weiter wachsen. Die Einladungen an Schulen nehmen zu.
Die Planungen für 2027 laufen. Insgesamt habe ich inklusive vereinbarte Termine die Zahl 192 erreicht. Die unglaubliche Vortragszahl 200 für „Deckname Antenne“ wird 2027 erreicht. Wirklich unglaublich!
