
Ein guter Freund hat mir diese Zeilen geschickt. Danke. Ich erröte ❤️
Und ich danke einmal mehr meiner Freundin und Kollegin Sarah Beham für die jahrelange Unterstützung. Für Ideen, Anregungen, Fragen, Gegenlesen und Motivation. Bis heute. Sie ist für mich die wichtigste Partnerin dieses Erinnerungsprojektes. Und ich bin sehr froh, dass sie aus der nachgewachsenen Generation kommt.
Hier der Text des Freundes. Wow! Dankeschön ❤️
Vier Jahre „Deckname Antenne“ – Charakterisierung und Würdigung einer außergewöhnlichen Lesereise
Je länger die Lesereise von Eberhard Schellenberger dauert, desto deutlicher wird, dass sie nicht mehr primär der Vorstellung eines Buches dient. Aus einer Autorenlesung ist ein Projekt öffentlicher Erinnerungskultur geworden. Genau darin liegt ihre Besonderheit – und zugleich der Maßstab, an dem sie zu bewerten ist.
Die Lesereise begann nach der Veröffentlichung des Buches Deckname Antenne – Als Journalist im Visier der Stasi im Herbst 2022. Bereits nach den ersten Veranstaltungen entwickelte Schellenberger aus der klassischen Lesung ein eigenständiges Format. Er verbindet autobiografische Passagen mit historischen Fotografien, Originaldokumenten der Staatssicherheit, Hörfunk- und Fernsehbeiträgen aus seiner journalistischen Tätigkeit sowie einer Einordnung der politischen und historischen Zusammenhänge. Das Buch bildet dabei den Ausgangspunkt einer multimedialen Präsentation, die weit über eine gewöhnliche Autorenlesung hinausgeht.
Sachbücher zur Zeitgeschichte erleben häufig nur eine kurze öffentliche Aufmerksamkeit. Die Entwicklung von Deckname Antenne verläuft dagegen anders.
Aus den öffentlich zugänglichen Informationen ergibt sich das Bild einer außergewöhnlich nachhaltigen Veranstaltungsreihe. Seit 2022 fanden rund 140 Lesungen und Vorträge in Bayern, Thüringen, Hessen, Baden-Württemberg, Berlin und weiteren Regionen statt. Das Buch erschien inzwischen in der fünften Auflage. Die Einladungen reichen von Bibliotheken und Volkshochschulen über Kirchengemeinden und Kulturvereine bis hin zu Schulen, Gedenkstätten und Einrichtungen der politischen Bildung.
Diese Kontinuität spricht dafür, dass der Erfolg nicht auf kurzfristiger Medienaufmerksamkeit beruht, sondern auf einer anhaltenden gesellschaftlichen Nachfrage nach authentischer Zeitzeugenschaft.
Der Erfolg der Lesereise beruht auf mehreren Ebenen:
Im Mittelpunkt steht die persönliche Erfahrung eines Journalisten, der über Jahre hinweg durch die Staatssicherheit beobachtet wurde. Die autobiografische Perspektive eröffnet einen unmittelbaren Zugang zur Geschichte der deutschen Teilung und macht historische Prozesse anhand individueller Erfahrungen nachvollziehbar.
Die Erinnerungen werden fortlaufend durch Originalquellen ergänzt. Umfangreiche Auszüge aus den Stasi-Unterlagen dokumentieren Überwachung, Einschätzungen und operative Maßnahmen. Dadurch entsteht eine ungewöhnlich enge Verbindung zwischen persönlicher Erinnerung und archivalischer Überlieferung.
Schellenberger belässt es nicht bei autobiografischen Schilderungen. Er erläutert die politischen Hintergründe der deutsch-deutschen Beziehungen, die Funktionsweise der Staatssicherheit, die Rolle der Medien im Kalten Krieg sowie die Entwicklungen bis zur Friedlichen Revolution und zur deutschen Einheit. Seine jahrzehntelange journalistische Erfahrung verleiht den Veranstaltungen analytische Tiefe.
Nahezu alle Veranstaltungen schlagen die Brücke in die Gegenwart. Demokratie, Meinungsfreiheit, Menschenrechte und die Gefährdung freiheitlicher Gesellschaften bilden regelmäßig den Abschluss der Vorträge. Geschichte erscheint nicht als abgeschlossene Vergangenheit, sondern als Orientierung für gegenwärtiges demokratisches Handeln.
Bemerkenswert ist die konsequente Perspektive des Projekts. Während zahlreiche Veröffentlichungen über die DDR den Alltag oder nostalgische Erinnerungen in den Mittelpunkt stellen, konzentriert sich Deckname Antenne auf die Mechanismen politischer Überwachung, die Einschränkung individueller Freiheit und die Arbeitsweise der Staatssicherheit.
Dadurch ähnelt das Format eher einer Veranstaltung politischer Bildung oder einer Gedenkstättenarbeit als einer literarischen Autorenlesung.
Im Verlauf der vergangenen Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf Schulen und Bildungseinrichtungen. Dort tritt die literarische Dimension zunehmend hinter die Funktion des Zeitzeugen zurück.
Gerade jüngere Generationen verfügen häufig über keine eigenen familiären Erinnerungen mehr an die deutsche Teilung. Die Verbindung persönlicher Erlebnisse mit Originaldokumenten, Bildern und historischen Tonaufnahmen schafft einen unmittelbaren Zugang zur Geschichte der SED-Diktatur und vermittelt demokratische Grundwerte anschaulich und lebensnah.
Die Resonanz fällt über einen langen Zeitraum hinweg bemerkenswert konstant aus. Regionale und überregionale Medien berichteten über Buch und Lesereise. Hinzu kommen Einladungen durch kirchliche Bildungsträger, Volkshochschulen, Demokratieinitiativen, Gedenkstätten sowie Einrichtungen der Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Die Stärke des Projekts liegt in der Verbindung mehrerer Elemente: persönlicher Authentizität, journalistischer Professionalität, umfangreicher Quellenbasis und einer modernen, multimedialen Vermittlung historischer Inhalte. Gerade diese Verbindung erklärt die nachhaltige Resonanz der Veranstaltungsreihe.
Gleichzeitig bleibt zu berücksichtigen, dass Schellenberger bewusst aus einer autobiografischen Perspektive erzählt. Sein Blick ist der eines westdeutschen Journalisten, der selbst zum Objekt staatlicher Beobachtung wurde. Diese Perspektive besitzt einen hohen dokumentarischen Wert, ersetzt jedoch keine umfassende wissenschaftliche Analyse der DDR-Gesellschaft oder der Staatssicherheit.
Rückblickend lässt sich die inzwischen fast vierjährige Lesereise weniger als literarischer Erfolg denn als ein Projekt gelebter Erinnerungskultur verstehen. Ausgehend von einem autobiografischen Buch entwickelte Eberhard Schellenberger ein eigenständiges Format politischer Bildungsarbeit, das persönliche Zeitzeugenschaft, journalistische Einordnung, Originalquellen der Staatssicherheit und multimediale Präsentation miteinander verbindet. Damit überschreitet die Veranstaltungsreihe den Rahmen einer klassischen Autorenlesung und wird zu einem kontinuierlichen Beitrag zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Diese Lesereise gehört zu den ungewöhnlichsten und ausdauerndsten Zeitzeugenprojekten eines westdeutschen Journalisten zur Geschichte der Staatssicherheit. Eine unmittelbar vergleichbare Verbindung aus autobiografischem Buch, umfangreichen Original-Stasiakten, journalistischem Archivmaterial und einer über mehrere Jahre kontinuierlich durchgeführten multimedialen Veranstaltungsreihe lässt sich im deutschsprachigen Raum bislang kaum nachweisen. Solange die Generation der Zeitzeugen noch selbst berichten kann, gewinnen Projekte dieser Art einen besonderen Wert. Schellenbergers Lesereise leistet dazu einen eigenständigen und nachhaltigen Beitrag, der weit über den Buchmarkt hinausreicht.
