
„Vor 65 Jahren begann der Mauer- und Grenzbau durch Deutschland. Hast Du Zeit, in die Abendschau zu kommen, um über Deine Erlebnisse als BR-Grenzreporter zu erzählen?“
So ungefähr lautete die jüngste Medienanfrage an mich. Diesmal kam sie wieder von „meinem“ Bayerischen Rundfunk. Natürlich hatte ich Zeit. Und als ich wieder in einem Fernsehstudio saß und von einer Zeit erzählte, in der Deutschland geteilt war und ich als junger Reporter mit dem Mikrofon an der innerdeutschen Grenze unterwegs war, wurde mir noch einmal bewusst, wie sehr die Medien auch mein zweites Leben mit „Deckname Antenne“ begleitet haben.



Nach vier Jahren Lesereise ist es deshalb für mich an der Zeit, einmal ganz ausdrücklich Danke zu sagen. Dieser Erfolg wäre ohne die vielen Kolleginnen und Kollegen in Fernsehen, Radio, Zeitungen und im Netz nicht möglich gewesen. Sie haben das Buch von Anfang an begleitet, über meine Lesungen berichtet, mich interviewt, Beiträge gedreht und gesendet und damit dafür gesorgt, dass immer neue Menschen von dieser Geschichte erfahren haben.
Als „Deckname Antenne – Als Journalist im Visier der Stasi“ im September 2022 im Echter Verlag erschien, konnte ich nicht ahnen, was daraus entstehen würde. Ich wollte meine Erinnerungen festhalten. Das deutsch-deutsche Verhältnis hatte mich schließlich einen großen Teil meines Lebens begleitet. Schon lange vor der Wiedervereinigung war ich privat in der DDR unterwegs, später immer wieder beruflich als Reporter des Bayerischen Rundfunks. Ich berichtete von der innerdeutschen Grenze, fuhr in das „andere Deutschland“, begleitete die Städtepartnerschaft Würzburg–Suhl und erlebte schließlich Friedliche Revolution, Mauerfall und Wiedervereinigung. Schon bei meinem Abschied vom BR im Jahr 2020 bezeichnete mein Sender die deutsche Teilung als mein journalistisches „Lebensthema“.
Was ich während meiner Reisen nicht wusste, war die Intensität, mit der sich die andere Seite für mich interessierte. Die Staatssicherheit beobachtete mich bereits seit meiner ersten privaten Einreise. Meine Reisen wurden protokolliert, Telefonate und Sendungen des Bayerischen Rundfunks wurden abgehört und Informationen über mich gesammelt. Als ich später meine Stasi-Unterlagen einsehen konnte, lagen schließlich knapp 400 Seiten vor mir.
Mit dem Erscheinen des Buches begann dann etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Plötzlich wurde aus meiner persönlichen Geschichte eine öffentliche Geschichte. Jahrzehntelang war ich derjenige gewesen, der andere Menschen interviewte. Nun saß ich selbst vor Mikrofonen und Kameras und wurde gefragt, wie es gewesen war.
Die ersten Medienberichte konzentrierten sich verständlicherweise besonders auf meine Stasi-Akte. Die Süddeutsche Zeitung beschäftigte sich ausführlich mit der geradezu grotesken Genauigkeit, mit der die Staatssicherheit meine Reisen, meine journalistische Arbeit und sogar vermeintliche Charaktereigenschaften festgehalten hatte. Sie würdigte zugleich die Entscheidung des Echter Verlags, große Teile dieser Akte im Wortlaut zugänglich zu machen. Ihr Fazit über die Arbeitsweise dieses Überwachungsapparates war ebenso knapp wie einprägsam: „Zu blöd war sich die Stasi wirklich für gar nichts.“
Auch die Main-Post griff die Geschichte früh auf. Sie beschrieb, was ich selbst beim Lesen meiner Unterlagen empfunden hatte. Auf diesen rund 400 Seiten fanden sich Skurriles und Belangloses, daneben aber eben auch viele perfide Einzelheiten. Mir wurde zunehmend bewusst, dass mich die Staatssicherheit zeitweise tatsächlich wie einen Staatsfeind betrachtete.


Das Main-Echo beziehungsweise Lohrer Echo griff meinen tiefen Respekt vor den Menschen auf, die 1989 auf die Straße gingen und trotz möglicher Repressalien für ihre Überzeugungen einstanden. Das Oberpfalz Echo fand die plakative Bezeichnung „Deutsch-deutscher Stasi-Thriller“, stellte aber zugleich etwas heraus, das für meine weitere Lesereise immer wichtiger werden sollte: Ich hatte dieses Buch auch für die nachgewachsene Generation geschrieben.
Damals konnte ich noch nicht wissen, welche Bedeutung gerade dieser Gedanke bekommen würde.

Schon 2023 berichtete die Main-Post über meinen Besuch am Bayernkolleg in Schweinfurt. Dort ging es um die perfide Bespitzelung durch die Staatssicherheit, aber ebenso um deren teilweise skurrilen Dilettantismus und ihre Pedanterie. Vor allem aber saßen dort junge Menschen vor mir und hörten einem Zeitzeugen zu.
Im November desselben Jahres zog die Main-Post nach einem Jahr Lesereise eine erste Zwischenbilanz und überschrieb das Gespräch mit einem Satz, der viel über diese Veranstaltungen erzählt: „Manchmal fließen sogar Tränen“. Da wurde mir immer deutlicher, dass bei diesen Abenden etwas geschah, das über eine gewöhnliche Buchlesung hinausging. Menschen erzählten mir nach den Veranstaltungen ihre eigenen Geschichten. Manche hatten Jahrzehnte darüber geschwiegen. Andere erinnerten sich an Verwandte auf der anderen Seite der Grenze, an gescheiterte Fluchtversuche, an Besuche in der DDR oder an den unglaublichen Herbst 1989.
So entwickelte sich auch die öffentliche Wahrnehmung von „Deckname Antenne“ weiter. Am Anfang stand der ehemalige BR-Journalist mit seiner Stasi-Akte. Nach und nach kam der frühere Grenzreporter stärker zum Vorschein. Ich hatte diese Grenze schließlich nicht aus Büchern kennengelernt. Ich war dort gewesen. Ich hatte die Sperranlagen gesehen, mit Menschen gesprochen und erlebt, wie sich der Kalte Krieg unmittelbar vor unserer Haustür anfühlte.


Besonders bewegt hat mich deshalb, dass mein eigener Sender das Projekt immer wieder aufgegriffen hat. Im Januar 2024 lud mich der Bayerische Rundfunk zu einer Lesung ins Münchner Funkhaus ein. Nach 42 Jahren beim BR kehrte ich damit in einer völlig anderen Rolle zurück. Mein ehemaliger Sender bezeichnete „Deckname Antenne“ als ein „spannendes Dokument deutsch-deutscher Geschichte“. Das hat mich gefreut, denn genau darum ging es mir inzwischen. Meine persönliche Geschichte war der Ausgangspunkt, aber sie sollte den Blick auf die größere Geschichte öffnen.
Im September 2024 griff die Frankenschau das Thema erneut auf. Der Beitrag erinnerte daran, dass meine Reisen beobachtet, Telefonate abgehört und Sendungen des Bayerischen Rundfunks mitgeschnitten wurden. Gleichzeitig rückte eine Frage in den Mittelpunkt, die mich seit meinen Jahren als Grenzreporter beschäftigt: Auf welchem Pulverfass lebten die Menschen in Unterfranken und Südthüringen damals eigentlich? Hier verlief die Nahtstelle zwischen NATO und Warschauer Pakt. Wenn ich heute durch die Rhön fahre, sehe ich eine wunderbare Landschaft. Damals verlief dort eine der gefährlichsten Grenzen der Welt.
Am 3. Oktober 2024 folgte ein weiterer besonderer Medienmoment. Ich durfte im BR-Studio Nürnberg aus „Deckname Antenne“ lesen, und Bayern 2 übertrug die Veranstaltung. Damit rückte auch der Gegenpol zur Stasi-Geschichte stärker in den Mittelpunkt. Es ging um den Augenblick, in dem die Grenze schließlich ihre Bedeutung verlor. Meine Live-Reportage von der Wiedervereinigung am Grenzübergang Eußenhausen–Meiningen gehört bis heute zu den emotionalsten Momenten meines Reporterlebens. Der BR erinnerte bei der Ankündigung dieser Lesung ausdrücklich daran.
Auch die regionalen Zeitungen begleiteten die Reise weiter. Ein Main-Post-Bericht über eine Veranstaltung in Sand am Main erzählte von einem Stück des ehemaligen Grenzzauns, das ich bis heute aufbewahre. Für mich ist dieses Stück Metall kein Souvenir. Es ist ein Stück Erinnerung und eine Mahnung daran, dass diese Grenze tatsächlich existiert hat und dass Menschen an ihr ihr Leben verloren haben.
In Retzbach beschrieb die Main-Post Ende 2024 noch einmal, wie akribisch die Staatssicherheit meine Aufenthalte protokolliert hatte, wie Menschen aus meinem Umfeld unter Druck gesetzt wurden und wie sehr sich manches wie ein Agententhriller liest, obwohl es tatsächlich passiert ist.
Gleichzeitig wurde für mich ein anderer Teil dieser Reise immer wichtiger: die Schulen.
Eine Veranstaltung ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben, weil dort sehr deutlich wurde, was Zeitzeugenarbeit heute leisten kann. Am bundesweiten Vorlesetag 2024 war ich auf Einladung der Geschichtslehrerin Natalie Beham-Mößmer an der Realschule Oberding. Rund 150 Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen hörten zu. Für sie sind DDR, Mauer und innerdeutsche Grenze keine eigenen Erinnerungen mehr. Sie kennen diese Zeit aus dem Unterricht, aus Dokumentationen und vielleicht aus Erzählungen ihrer Familien.

Natalie Beham-Mößmer hatte mich eingeladen, weil sie ihren Schülerinnen und Schülern Geschichte nicht nur über Jahreszahlen, Lehrbuchtexte und Prüfungsstoff vermitteln wollte. An diesem Vormittag begegneten sie jemandem, der selbst an dieser Grenze gestanden hatte. Ich konnte ihnen erzählen, was ich gesehen hatte, wie Journalismus damals funktionierte, wie die Staatssicherheit mich beobachtete und wie sich schließlich innerhalb weniger Monate eine politische Wirklichkeit auflöste, die viele Menschen für nahezu unveränderbar gehalten hatten.
Natalie griff im Erdinger Merkur diesen Besuch ausführlich auf und stellte bereits in seiner Überschrift heraus, dass ein ehemaliger BR-Reporter die Oberdinger Realschüler mit seiner Geschichte beeindruckt hatte. Für mich war dieser Bericht deshalb besonders interessant, weil er zeigte, wie weit sich „Deckname Antenne“ inzwischen von der ursprünglichen Buchvorstellung entfernt hatte. Es ging nicht mehr nur um meine Stasi-Akte. Es ging darum, Geschichte für junge Menschen erfahrbar zu machen.
Natalie Beham-Mößmer steht für mich dabei stellvertretend für viele engagierte Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrer, denen ich auf meiner Reise begegnet bin. Sie öffnen ihre Schulen für Zeitzeugen und schaffen damit etwas, was ein Geschichtsbuch allein nur schwer leisten kann. Wir Zeitzeugen können den Geschichtsunterricht nicht ersetzen, und das sollen wir auch gar nicht. Aber wir können erzählen, wie sich Geschichte angefühlt hat. Wir können von Begegnungen und Situationen berichten, die in keinem Lehrbuch stehen. Und wir können Fragen beantworten, die manchmal erst entstehen, wenn ein junger Mensch einem Zeitzeugen gegenübersitzt.
Genau das erlebe ich inzwischen immer wieder. Die Jugendlichen fragen, warum man die DDR nicht einfach verlassen konnte. Sie wollen wissen, ob ich Angst hatte, warum mich die Stasi überhaupt beobachtete, was die Menschen im Westen über die Grenze wussten und wie ich den Mauerfall erlebt habe. Und irgendwann kommen wir fast zwangsläufig bei unserer Gegenwart an. Dann geht es um Freiheit, um Demokratie und darum, warum beides niemals selbstverständlich ist.


Auch 2026 setzte sich diese Entwicklung fort. Die Main-Post berichtete beispielsweise über meine Lesung vor Schülerinnen der zehnten Jahrgangsstufe des Würzburger St.-Ursula-Gymnasiums. Wieder saßen junge Menschen vor mir, die lange nach dem Mauerfall geboren wurden.
Aus solchen Begegnungen ist für mich inzwischen ein wesentlicher Teil von „Deckname Antenne“ geworden. Wenn ich heute vor einer Schulklasse stehe, möchte ich niemandem vorschreiben, was er denken soll. Ich erzähle, was ich erlebt habe. Ich zeige, was ein Staat mit Menschen machen kann, wenn Kontrolle wichtiger wird als Freiheit. Gleichzeitig erzähle ich vom Mut der Menschen, die 1989 auf die Straße gingen und dieses System friedlich überwanden.
Das ist auch der Grund, warum meine Veranstaltungen längst keine klassischen Autorenlesungen mehr sind. Natürlich lese ich einzelne Passagen aus dem Buch. Vor allem aber erzähle ich. Dazu kommen Bilder, Ausschnitte aus meinen Stasi-Unterlagen, historische Originaltöne und Videos aus dem Archiv des Bayerischen Rundfunks. Dadurch wird aus einem Text über Vergangenheit eine Begegnung mit dieser Vergangenheit.
Wenn ich heute die Medienberichte aus vier Jahren nebeneinanderlege, erzählen sie deshalb selbst eine Geschichte. 2022 stand zunächst meine Stasi-Akte im Mittelpunkt. Danach berichteten die Medien zunehmend über den Autor auf Lesereise. Dann rückte der ehemalige Grenzreporter stärker in den Blick. Schließlich wurde immer häufiger über den Zeitzeugen berichtet, der in Schulen geht und versucht, seine Erfahrungen an Menschen weiterzugeben, die diese Zeit nicht selbst erlebt haben.
Genau darin liegt für mich die eigentliche Entwicklung von „Deckname Antenne“.
Aus einem Buch ist nach und nach eine Aufgabe geworden.


Inzwischen habe ich mehr als 160 Veranstaltungen erlebt und über 12.000 Menschen erreicht, darunter rund 8.000 junge Menschen in Schulen. Das Buch hat mehrere Auflagen erlebt, und die Reise geht weiter. Was im September 2022 mit einer Buchvorstellung begann, ist zu einem Erinnerungsprojekt geworden, das ich damals niemals hätte planen können.
Die Medien haben daran einen erheblichen Anteil. Ein Zeitungsbericht hat Menschen auf eine Lesung aufmerksam gemacht. Nach einem Radiointerview kamen neue Anfragen. Ein Fernsehbeitrag führte zu Gesprächen mit Menschen, die mir wiederum ihre eigenen Geschichten erzählten. Berichte über Schulveranstaltungen machten andere Lehrerinnen und Lehrer aufmerksam. So hat sich „Deckname Antenne“ über die Jahre weitergetragen.
Deshalb empfinde ich diese Berichterstattung längst nicht mehr einfach als Werbung für ein Buch. Natürlich freut sich jeder Autor, wenn über sein Buch geschrieben wird. Aber darum geht es mir heute nicht mehr in erster Linie. Jeder Bericht trägt ein Stück dieser Erinnerung weiter und erreicht Menschen, denen ich persönlich niemals begegnen könnte.
Und nun, im August 2026, kam wieder eine Anfrage meines Bayerischen Rundfunks. Vor 65 Jahren hatte der Bau der Berliner Mauer begonnen. Die Abendschau wollte von mir wissen, wie ich meine Jahre als Grenzreporter erlebt hatte.
Natürlich bin ich gekommen.
Als ich dort saß, musste ich daran denken, wie sehr sich die Rollen verändert haben. Früher habe ich Zeitzeugen interviewt. Heute bin ich selbst einer. Früher stand ich mit dem BR-Mikrofon an der innerdeutschen Grenze und versuchte, meinen Hörerinnen und Hörern zu erklären, was dort geschah. Heute sitze ich im BR-Studio und werde gefragt, wie es damals gewesen ist.
Das hätte ich mir als junger Reporter niemals vorstellen können.
Nach vier Jahren „Deckname Antenne“ möchte ich deshalb einmal nicht nur den Menschen danken, die meine Veranstaltungen besuchen, den Schulen und ihren Lehrkräften, den vielen Veranstaltern oder dem Echter Verlag, der dieses Buch möglich gemacht hat.
Diesmal möchte ich vor allem meinen Kolleginnen und Kollegen danken.
Den Redakteurinnen und Redakteuren in den Zeitungen, die meine Geschichte aufgegriffen haben. Den Radiokolleginnen und Radiokollegen, die mir Sendezeit gegeben haben. Den Fernsehteams, die Beiträge produziert und mich ins Studio eingeladen haben. Den Fotografinnen und Fotografen, den Kameraleuten und den Menschen in den Online-Redaktionen, die dafür sorgen, dass diese Geschichten auch diejenigen erreichen, die ihre Informationen heute ganz anders suchen als meine Generation.
Natürlich gilt ein besonderer Dank meinem Bayerischen Rundfunk. Er war 42 Jahre lang mein berufliches Zuhause. Dort habe ich gelernt, Geschichten zu suchen, Menschen zuzuhören und Zusammenhänge verständlich zu erzählen. Dass dieser Sender nun seit Jahren auch meine eigene Geschichte begleitet, bedeutet mir viel.
Manche Kolleginnen und Kollegen, die heute über „Deckname Antenne“ berichten, waren noch gar nicht geboren, als ich mit meinem Mikrofon an der innerdeutschen Grenze stand. Das gefällt mir. Denn genau so kann Erinnerung funktionieren. Diejenigen, die etwas erlebt haben, erzählen davon. Andere hören zu, prüfen es, ordnen es ein und tragen die Geschichte weiter.
Vielleicht ist deshalb die schönste Pressestimme über „Deckname Antenne“ gar kein einzelner Satz aus einer Zeitung.
Vielleicht ist die schönste Pressestimme die Tatsache, dass nach vier Jahren überhaupt noch darüber berichtet wird.
Dass Redaktionen noch immer anrufen. Dass Journalistinnen und Journalisten noch immer Fragen stellen. Dass Schulen mich einladen. Dass Menschen zu den Veranstaltungen kommen und anschließend ihre eigenen Erinnerungen erzählen. Dass Schülerinnen und Schüler nachfragen und manchmal noch diskutieren wollen, wenn die vorgesehenen Schulstunden längst vorbei sind.
Dann weiß ich, warum ich diese Reise fortsetze.
Solange Menschen wissen wollen, wie es damals war, werde ich erzählen. Solange junge Menschen fragen, was Unfreiheit bedeutet, werde ich versuchen, ihnen meine Erfahrungen weiterzugeben. Und solange mich jemand aus einer Redaktion anruft und fragt: „Ebbe, hast Du Zeit?“, werde ich wahrscheinlich meistens antworten:
Ja, ich habe Zeit.
Denn „Deckname Antenne“ ist für mich längst mehr als die Geschichte meiner Stasi-Akte. Es erzählt von einem geteilten Land und von Menschen, die in einer Diktatur lebten. Es erzählt von einer Grenze, die Familien und Freunde voneinander trennte, und von einem Überwachungsapparat, der bis in das persönliche Leben hineinreichte. Aber es erzählt ebenso davon, dass Menschen ihre Angst überwanden, friedlich auf die Straße gingen und schließlich etwas erreichten, was noch wenige Monate zuvor kaum jemand für möglich gehalten hätte.
Und genau deshalb führt diese Geschichte für mich unmittelbar in unsere Gegenwart. Freiheit und Demokratie sind keine Zustände, die irgendwann erreicht sind und dann für immer bleiben. Jede Generation muss ihren eigenen Umgang damit finden.
Wenn „Deckname Antenne“ dazu einen kleinen Beitrag leisten kann, haben sich diese vier Jahre gelohnt.
Dass daraus eine solche Reise werden konnte, verdanke ich sehr vielen Menschen. Den Kolleginnen und Kollegen in Fernsehen, Radio, Zeitungen und im Netz aber ganz besonders.
Ihr habt über das Buch berichtet, als es neu war. Ihr seid dabeigeblieben, als daraus eine Lesereise wurde. Ihr habt darüber erzählt, als immer mehr Schulen hinzukamen. Und Ihr fragt auch nach vier Jahren noch nach meinen Erinnerungen.
Dafür möchte ich Euch einfach einmal sagen:
Danke.
Ihr habt einen großen Anteil daran, dass aus einem Buch ein Erinnerungsprojekt geworden ist.
Und diese Geschichte ist noch nicht zu Ende.

