Ein Brief aus der DDR

In den letzten Wochen sind sie plötzlich „beim Räumen“ aufgetaucht, nach über 35 Jahren: Briefe aus der DDR. Briefe, die wir in der Wendezeit als junge Westdeutsche mit unseren gleichaltrigen Freunden in der Lausitz geschrieben haben. Bis zuletzt geöffnet und „mitgelesen“ von der Staatssicherheit. Die dicken Klebestreifen auf der Rückseite beweisen es bis heute.
Ganz besonders berührt mich ein Brief mit dem DDR-Poststempel vom 8. November 1989. Als er bei uns in Würzburg Tage später eintraf, war die Mauer gefallen. Als unsere Freundin diese Zeilen am 6. November 1989 schrieb, konnte sie das nicht ahnen. Genauso wie wir
Aber plötzlich konnten sie nach den aufregenden Wendetagen und der Massenflucht aus der Tschechoslowakei und Ungarn offen schreiben wie nie zuvor. Auch das Stasisystem war am zusammenbrechen:
„Nun sind nicht einmal ganze vier Wochen nach Eurer letzten Post vergangen und es hat sich bei uns in politischen Fragen eine ganze Menge ereignet.  Manchmal ist das Tempo der Ereignisse sogar schon beängstigend. Die fortschrittlichen Menschen, die unser Land nicht verlassen haben, äußern ihre Forderungen offen und mit Nachdruck fast täglich auf der Straße. Unsere Regierung und damit die Parteiführung ist im Begriff sich aufzulösen. Wahrscheinlich ist es aber jetzt schon zu spät, sich unauffällig abzusetzen.“
Das war am 8. November 1989. Keine zwei Monate später waren unsere Freunde das erste Mal bei uns in Würzburg. Wir haben Silvester 1989/1990 gefeiert. Es war ein Jahreswechsel in überschwänglicher Freude und Glück, wie wir ihn nie vergessen werden.