„Es kommt auf Euch an!“


Warum mich die Begegnungen mit jungen Menschen motivieren, mit „Deckname Antenne“ weiter in Schulen zu gehen
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Drei Lesungen zwischen 8 und 13 Uhr: Hinter mir liegt ein intensiver Vormittag am Gymnasium in Gaibach und an der Außenstelle in Gerolzhofen. Dreimal habe ich aus meinem Buch „Deckname Antenne – Als Journalist im Visier der Stasi“ erzählt, persönliche Erinnerungen geteilt und jungen Menschen ein Stück deutsch-deutscher Geschichte nahegebracht.
Solche Vormittage verlangen Kraft und Konzentration. Doch ich nehme auch viel mit nach Hause. Am meisten freut mich das aufmerksame Zuhören der Schülerinnen und Schüler. Das erlebe ich an ganz unterschiedlichen Schulen: an Haupt- und Realschulen ebenso wie an Gymnasien und Berufsschulen. Diese Aufmerksamkeit ist für mich eine große Ermutigung. Sie zeigt mir, wie wertvoll die Zeit ist, die ich in diese Begegnungen investiere.

Kaum zu fassen!
Ich erzähle von einer Zeit, die für viele junge Menschen kaum zu fassen ist. Von einem geteilten Deutschland, von bewachten Grenzen und eingeschränkter Reisefreiheit. Von Menschen, die wegen ihrer Meinung verfolgt wurden. Und von der Staatssicherheit, die auch mich als westdeutschen Journalisten ins Visier nahm.
Für mich gehört das zur eigenen Lebensgeschichte. Für die Jugendlichen liegt es weit vor ihrer Geburt. Und doch sind viele meiner Erlebnisse erst rund 40 Jahre her. Diesen Abstand zu überbrücken, ist mir wichtig. Mit meinen Erfahrungen möchte ich Geschichte anschaulich machen und vermitteln, was eine Diktatur für das Leben einzelner Menschen bedeutet.
Dabei bewegt mich immer wieder der Gedanke: Die jungen Menschen vor mir sind in einem vereinten Deutschland aufgewachsen. Dass sie frei reisen und ihre Meinung sagen können, gehört für sie zum Alltag. Wie viel Mut Menschen aufbringen mussten, um diese Freiheit zu erringen, möchte ich ihnen nahebringen.

Deshalb ist mir der Schluss jeder Lesung besonders wichtig. Ich möchte den Bogen von meinen Erlebnissen in die Gegenwart schlagen. Freiheit, Demokratie und unsere Grundwerte sind in Gefahr. Sie brauchen Menschen, die sie ernst nehmen, für sie eintreten und sie im Alltag mit Leben erfüllen.

Aufmerksames Zuhören
Vor mir sitzt die kommende Generation. Junge Menschen, die unsere Gesellschaft künftig prägen werden und schon heute mitgestalten können. Ihnen möchte ich vermitteln, dass ihre Stimme zählt, ihre Haltung Bedeutung hat und ihr Handeln etwas bewirken kann.
Mein Appell lautet deshalb: „Es kommt auch auf Euch an! Ihr müsst Freiheit und Demokratie bewahren!“
Ich wünsche mir, dass dieser Gedanke über die Lesung hinaus bestehen bleibt. Dass die Jugendlichen Fragen mitnehmen, miteinander diskutieren und genauer hinschauen, wenn Menschen ausgegrenzt, Freiheiten eingeschränkt oder demokratische Werte verächtlich gemacht werden Orte, die mich weitertragen.
Für das aufmerksame Zuhören und den ehrlichen Applaus am Ende bin ich dankbar. Und manchmal erreicht mich anschließend eine Rückmeldung, die mich besonders berührt. Nach den Lesungen in Gaibach und Gerolzhofen schrieb Kerstin:
„Danke, lieber Eberhard, für Deinen Besuch und die fesselnden Schilderungen Deiner Erlebnisse mit dem totalitären System der ehemaligen DDR…du machst das wirklich gut und bist durch die Art der Präsentation so nahe bei den Schülern 🙂 Das war ein wichtiger Tag…“
Über diese Worte freue ich mich sehr. Gerade die Nähe zu den Schülerinnen und Schülern liegt mir am Herzen. Ich möchte sie mit meiner Geschichte erreichen und ihnen Raum für eigene Gedanken geben.
„Das war ein wichtiger Tag…“ Dieser Satz bleibt bei mir. Er bestärkt mich darin, weiter in Schulen zu gehen, weiter zu erzählen und mich den Fragen der jungen Menschen zu stellen.
Ich kann meine Erfahrungen weitergeben. Was die Jugendlichen daraus für ihr eigenes Leben mitnehmen, liegt in ihren Händen. Aber ich hoffe, dass ich einen Gedanken stärken kann: Freiheit ist kostbar. Und wir alle können etwas dafür tun, sie zu bewahren.