
Diese Frage kommt nach jeder Lesung. „Kann man da heute auch noch nachschauen lassen und wo?“ Als ich 1992 mitbekam, dass ich wohl eine Stasiakte habe und die in Suhl liegt, gab es den Beauftragten für die Stasiunterlagen noch, die Zentrale in Berlin und die Außenstellen in den ehemaligen DDR-Bezirksstätten. Joachim Gauck („Gauckbehörde“) war der erste Beauftragte, Roland Jahn der Letzte. Jetzt ist das Bundesarchiv in Koblenz zuständig, die bisherigen Aktenorte blieben aber dezentral erhalten, in meinem Fall die Außenstelle am Friedberg in Suhl. Dort liegt das Original meiner Akte „Antenne“, ich habe mir eine Kopie davon machen lassen.
Und kann man heute, auch als ehemaliger „Westdeutscher“ noch nachschauen lassen? Ja! Für die Feststellung, ob es eine Akte gibt, lädt man sich das entsprechende Formular von der Webseite www.bundesarchiv.de herunter. Es nennt sich „Antrag auf Akteneinsicht für Privatpersonen“. Mehr als zwei Millionen Personen habe das bisher seit 1992 gemacht.
Fast in jeder Lesung berichten Besucher von ihren Akten und ihrer Bespitzelung. Es sind oft erschütternde Beispiele von Vertrauensmissbrauch. Da ist zum Beispiel ein Journalistenkollege, der bei der Lesung in Herzogenaurach war. Er wurde bei Verwandtenbesuchen 1976 in einem Ferienhäuschen von einem damals 21-jährigen bespitzelt. Sogar Mikrofone waren dazu eingebaut worden. 1996 konnte er seine Akte in der Außenstelle in Gera bisher nur lesen. Meinen Vortrag nahm er nun zum Anlass eine Kopie anzufordern.
Oder ein anderer Besucher berichtete als ehemaliger DDR- Bürger über seine Bespitzelung durch die Stasi. Seine Akte hat den Namen „Verräter“. Die Staatssicherheit hatte in seiner Wohnung Mikrofone installiert, offensichtlich aber mit „schlechten DDR-Batterien“. So wurde er von Zeit zu Zeit unter einem Vorwand am Abend vorgeladen. In dieser Zeit drangen Stasileute in seine Wohnung ein und wechselten die Batterie.