

Regen, Wind und dunkle Wolken konnten weder Eberhard Schellenberger noch die rund 40 Besucherinnen und Besucher davon abhalten, zur Open-Air-Lesung „Deckname Antenne“ in den Schlosshof von Gerlachshausen zu kommen. Die von Gabriela und Uwe Hückmann organisierte Veranstaltung entwickelte sich zu einem eindrucksvollen Abend, an dem Geschichte, persönliche Erinnerungen und aktuelle Fragen zur Zukunft der Demokratie miteinander verbunden wurden.
Im Mittelpunkt stand Schellenbergers Buch „Deckname Antenne – Als Journalist im Visier der Stasi“. Der langjährige Journalist und ehemalige Studioleiter des Bayerischen Rundfunks schilderte eindrucksvoll, wie ihn das Ministerium für Staatssicherheit der DDR über Jahre hinweg observierte und ausspionierte. Anhand seiner Stasi-Akten und zahlreicher persönlicher Erlebnisse machte er deutlich, mit welchen Methoden ein autoritäres Regime arbeitete und warum Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Demokratie niemals als selbstverständlich angesehen werden dürfen.
Durch den Abend führte Gabriela Hückmann mit viel Feingefühl und großem Interesse. Mit ihren klugen und nachdenklichen Fragen lenkte sie das Gespräch immer wieder auf die Gegenwart. Gemeinsam mit dem Autor diskutierte sie über den Wert einer lebendigen Demokratie, die Bedeutung unabhängiger Medien und die Verantwortung jeder Bürgerin und jedes Bürgers, demokratische Werte aktiv zu schützen und zu verteidigen. Dabei gelang es ihr, eine eindrucksvolle Brücke zwischen den historischen Ereignissen des Buches und den gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zu schlagen.
Schellenberger betonte, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit sei, sondern jeden Tag aufs Neue gelebt und verteidigt werden müsse. Angesichts wachsender gesellschaftlicher Polarisierung warb er eindringlich dafür, die demokratischen Parteien der Mitte zu stärken und extremistischen Tendenzen entschlossen entgegenzutreten. Als positives Beispiel hob er den Arbeitskreis Demokratie Volkach hervor, dessen Mitglieder zahlreich vertreten waren und sich seit Jahren für den demokratischen Dialog engagieren.
Die Uniform
Für einen besonderen und zugleich außergewöhnlichen Moment sorgte Hausherr Uwe Hückmann. Zur Überraschung der Gäste erschien er in der originalen Uniform eines DDR-Hauptmanns – und erzählte deren fast unglaubliche Geschichte.

Kurz nach dem Mauerfall war er mit seinem BMW an einen ehemaligen Grenzübergang gefahren. Ein DDR-Hauptmann betrachtete neugierig das westliche Auto und sagte, er würde zu gerne einmal damit fahren. Auf die Frage, was er dafür haben wolle, antwortete Uwe Hückmann spontan: „Die Uniform.“ Der Offizier verschwand daraufhin im Grenzgebäude, kam kurze Zeit später in Zivilkleidung und mit einem Karton zurück. Für eine Stunde durfte er den BMW fahren – im Karton befand sich die komplette Uniform, die Uwe Hückmann bis heute aufbewahrt und an diesem Abend trug. Die außergewöhnliche Geschichte sorgte für großes Staunen und wurde zu einem eindrucksvollen Symbol dafür, wie schnell sich Geschichte manchmal verändern kann.
Trotz der widrigen Witterung blieb das Publikum bis zum Schluss. Im Anschluss entwickelte sich ein intensiver Austausch mit dem Autor. Die lebhafte Diskussion machte deutlich, dass die Themen des Buches weit über die Geschichte der deutschen Teilung hinausreichen. Fragen nach Freiheit, Demokratie, unabhängigen Medien und gesellschaftlicher Verantwortung beschäftigen die Menschen heute mehr denn je.
Gabriela und Uwe Hückmann zeigten sich am Ende des Abends hoch erfreut über die große Resonanz und den offenen, respektvollen Dialog. Die Lesung im Schlosshof bewies einmal mehr: Gute Gespräche über Geschichte und Demokratie lassen sich weder von Regen noch von Wind aufhalten. Manche Botschaften entfalten gerade unter schwierigen Bedingungen ihre größte Wirkung.
Uwe Hückmann



